Poesie im öffentlichen Raum: Eine neue Zusammenarbeit mit Ellen Deckwitz
Wie der Poem Booth Poesie auf die Straße bringt – mit einer der gefeiertsten Autorinnen der Niederlande
Wir freuen uns, eine neue Zusammenarbeit mit Ellen Deckwitz bekannt zu geben – gefeierte Dichterin, Kolumnistin für NRC, amtierende Stadtdichterin von Amsterdam und Trägerin des renommierten italienischen Premio Ciampi für ihren Band Hogere Natuurkunde. Ihr Werk ist bekannt für seine Klarheit, seinen Witz und seine emotionale Tiefe, und nun wird es zum ersten Mal in einen völlig neuen Kontext gebracht: den Poem Booth.
Der Poem Booth ist keine traditionelle Poesie-Installation. Inspiriert von den alten Fotoautomaten in Bahnhöfen, ist er eine Maschine, die Poesie schreibt – nicht allgemein, sondern persönlich. Drücken Sie einen Knopf, und er erzeugt ein Gedicht, das über Sie geschrieben ist. Kein Gag, sondern ein Moment der Besinnung. Etwas Unerwartetes, in einer Sprache, die nachklingt.
Ellen schenkte uns etwas unglaublich Großzügiges: Zugang zu ihrem gesamten poetischen Werk. Nicht zum Zitieren, sondern zum Lernen. Wir arbeiteten eng mit ihr zusammen, um einen Prompt zu entwickeln – den verborgenen Mechanismus hinter dem Poem Booth –, der es einem Sprachmodell erlauben würde, Gedichte zu schreiben, die von ihrer Stimme und ihrem Ton inspiriert sind. In unseren ersten Tests waren die Ergebnisse noch nicht so weit. Es zeigte sich, dass Ellens Poesie so präzise, so vielschichtig war, dass das Modell Mühe hatte, ihre Klarheit nachzubilden. Schließlich wurden die Ergebnisse deutlich überzeugender, indem wir das Modell den Prompt anhand ihres Schreibens anpassen ließen – statt es einzuschränken.
Ellen war von diesem Prozess fasziniert. Sie begeistert sich für neue Technik, aber noch mehr dafür, Poesie zugänglich zu halten. Sie sieht den Poem Booth nicht als Ersatz, sondern als eine neue Art, ihr Werk zu teilen – Poesie zu Menschen zu bringen, die sonst vielleicht nie ein Gedichtband aufschlagen würden. „Es geht darum, Poesie von der Seite zu lösen“, sagte sie uns, „und in den öffentlichen Raum zu holen.“
„Es geht darum, Poesie von der Seite zu lösen und in den öffentlichen Raum zu holen.“
— Ellen Deckwitz, Stadtdichterin von Amsterdam
Genau darin lebt der Poem Booth unserer Überzeugung nach wirklich – nicht nur als Kunstwerk, sondern als Apparat der Begegnung. Er ist nichts, das man allein benutzt, wie eine App. Er ist ein öffentlicher, geteilter Moment. Man steht vor dem Spiegel, die Maschine sieht einen, ein Gedicht erscheint – und plötzlich liest man es laut vor. Mit Freunden, Fremden, anderen ringsum. Dieses gemeinsame Lesen, diese kurze Verbindung, gibt dem Erlebnis seine Bedeutung.

Die ersten Gedichte dieser Zusammenarbeit wurden auf Italienisch am Salone Internazionale del Libro in Turin präsentiert – mit Hilfe einer Literaturübersetzerin, die die Sprache rhythmisch und melodisch für ein italienisches Publikum anpasste. In nur wenigen Tagen entstanden über 8.000 Gedichte. Das Projekt wurde von der niederländischen Stiftung für Literatur und der niederländischen Botschaft in Italien unterstützt, als Teil einer umfassenderen Mission, niederländische Literatur im Ausland sichtbar zu machen.
Doch für uns liegt die wahre Wirkung woanders.
In einer Zeit flüchtiger Nachrichten und endlosen Scrollens bietet der Poem Booth etwas unerwartet Bleibendes. Nicht nur das gedruckte Gedicht – sondern das Gefühl, das es erzeugt. Eine Pause. Eine Präsenz. Ein Moment der Verbindung.
Technik muss nicht isolieren. Sie kann uns zusammenbringen. Besonders, wenn sie im Dienst von etwas so Menschlichem – und Notwendigem – wie der Poesie steht.
